Aus für die Grunderwerbsteuer?

Kommt das Aus für die Grunderwerbsteuer?

21.11.2016:
Aktuell steht die Existenz der Grunderwerbsteuer in Deutschland zur Diskussion. Aufgrund von fortwährend steigenden Preisen für Immobilien sprechen sich immer mehr Menschen und Institutionen gegen die Grunderwerbsteuer aus und verlangen finanzielle Erleichterungen für Käufer von Immobilien. Die Lage ist bereits so kritisch, dass Experten von einer Preisblase auf dem Immobilienmarkt sprechen. Hierbei wurden bereits zahlreiche Verbesserungsvorschläge vorgebracht, die sich vor allem mit der teilweisen Befreiung von der Grunderwerbsteuer und der Regulierung der hohen Notar- und Maklergebühren beschäftigen.

Politik fordert, dass sich der Erwerb von Eigentum lohnen soll

Obwohl viele der Vorschläge bereits erste Schritte in die richtige Richtung darstellen, gehen die Forderungen einiger Unionspolitiker noch weiter. Menschen wie Jan-Marco Luczak setzen sich dafür ein, dass "der Erwerb von selbst genutztem Wohneigentum gefördert" wird. Dieses stellt für die Politiker eine besonders solide Form der privaten Altersvorsorge dar. Hierbei wird vor allem von einem Grundfreibetrag von 100.000 Euro gesprochen. Dieser soll sich für jedes im Haushalt vorhandene Kind um weitere 50.000 Euro erhöhen. Diese Steuervergünstigung in Abhängigkeit von der Anzahl der Kinder soll vor allem Mitnahmeeffekte vermeiden und gezielt Familien zugutekommen.

Mit diesen Forderungen steht Luczak darüber hinaus keinesfalls allein da. Seine Parteikollegen gehen mit ihren Forderungen sogar noch einen Schritt weiter und fordern eine vollständige Abschaffung der Grunderwerbsteuer. Zumindest der Ersterwerb einer Immobilie zur eigenen Nutzung sollte nach Frank Steffel ohne eine Höhenbegrenzung steuerfrei sein.

Großer Vorteil für Geringverdiener

Eine Abschaffung dieser Steuer hätte weitreichende Auswirkungen auf den Immobilienmarkt und würde zahlreiche Menschen bei der Anschaffung einer Immobilie entlasten. Sowohl eine vollständige Abschaffung der Steuer als auch die Einführung eines Freibetrags würden privaten Haushalten bei den steigenden Immobilienpreisen stark entgegenkommen. Insbesondere Haushalte mit einem besonders niedrigen Einkommen würden von dieser Regelung profitieren.

Hinzu kommt, dass die Grunderwerbsteuer erst vor kurzem in einigen Bundesländern erhöht wurde. Diese kann momentan noch von jedem Bundesland selbst geregelt werden. Während sie in Bayern und Sachsen gerade einmal bei 3,5 % liegt, werden Käufer in einigen Bundesländern nahezu doppelt so hoch mit 6,5 % besteuert. Zu den Bundesländern mit der höchsten Grunderwerbsteuer zählen neben Nordrhein-Westfahlen ebenfalls Schleswig-Holstein und das Saarland. Aber auch in anderen Bundesländern wie Baden-Württemberg, Bremen und Thüringen muss ein Steuersatz von 5 % gezahlt werden.

Weiterhin kritisieren viele Experten ebenfalls die aktuellen Freiheiten von Notaren und Immobilienmaklern. Anders als in vielen anderen Ländern gilt in Deutschland beim Kauf von Immobilien kein Bestellerprinzip. So muss unter anderem in den Niederlanden stets der Verkäufer für die Entlohnung des Vermittlers aufkommen. In Deutschland existiert diese Regelung lediglich bei der Vermittlung von Mietwohnungen.




Quelle: Focus, Text: Textbroker